Ist ein Rückfall eine Katastrophe und wie kann ein Rückfall überwunden werden?

Ist ein Rückfall eine Katastrophe und wie kann ein Rückfall überwunden werden?

Wie bereits zuvor ausgeführt, ist Alkoholismus nicht zu heilen, sondern bestenfalls zum „Stillstand“ zu bringen. Alkoholismus ist unter anderem auch deshalb als Krankheit anerkannt, weil keine schuldhafte Herbeiführung vorliegt. Zu einer Suchtkrankheit gehört aber auch der Rückfall als Leitsymptom. Kein Abhängiger hat eine 100-prozentige Sicherheit vor einem Rückfall, er kann lediglich dafür sorgen, dass die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls klein wird und ist.

Kommt es zu einem Rückfall, muss dies keine Katastrophe sein, wenn der Betroffene wieder mit dem Trinken aufhört und sich erneut für eine Abstinenz entscheidet. Dabei ist es wichtig, die Gründe für den Rückfall zu erkennen und die sich daraus ergebenden Änderungen der Einstellungen und des Verhaltens umzusetzen. Rückfällige fühlen sich sehr häufig hilflos, weil sie die Ursachen ihres Rückfalls nicht erkennen können. Bei der Mehrzahl der Rückfälle wird das erste Glas jedoch nicht versehentlich oder aus Unachtsamkeit getrunken, sondern mit dem (unbewussten) Ziel, in den Rauschzustand zu flüchten. Dafür gibt es Gründe, die häufig mit dem Lebensstil und/oder mit den Erwartungen der Suchtkranken an sich und andere zusammenhängen.

Suchen sie sich eine Person ihres Vertrauens, eine Gruppe oder einen Therapeuten. Sprechen sie über ihren Rückfall. Dadurch erreichen sie eine emotionale Entlastung wie z. B. eine Verminderung der Schuldgefühle und Selbstvorwürfe sowie Hinweise zu den Gründen ihres Rückfalls. Sie sind zwar einige Stufen auf der mühsam erklommenen Leiter zu einem zufriedenen Leben heruntergerutscht aber sie liegen nicht ganz unten! Und, sie können die Leiter wieder hinaufsteigen.

Wenn sie nach einem Rückfall wieder abstinent leben möchten, empfehle ich Ihnen auch die Bearbeitung und das Überdenken der folgenden Punkte (nach Schneider, 1997, verändert):

Mein Rückfall bedeutet nicht, dass ich völlig versagt habe. Er bedeutet auch nicht, dass ich nicht wieder aufhören und zur Abstinenz zurückkehren kann. Zunächst einmal bringe ich mich in Sicherheit, d. h. so weit weg wie möglich von allen Suchtmitteln und Rückfallauslösern. Ich schäme mich, fühle mich schuldig und mache mir Vorwürfe, weil ich meine Abstinenzentscheidung gebrochen habe. Diese Gefühle und die Selbstvorwürfe kann ich vermindern, wenn ich jetzt wieder mit dem Trinken aufhöre. Heute ist der erste Tag einer neuen, lebenslangen Abstinenz.

Was kann ich aus meinem Rückfall lernen?

  • Woran lag es, dass ich getrunken habe?
  • Was wollte ich durch das Trinken erreichen?
  • Welche ungelösten Probleme und Aufgaben werden durch meinen Rückfall sichtbar?
  • Welche positiven Gesichtspunkte ergeben sich aus dem Rückfall für meine weitere Entwicklung und mein Leben?
  • Wie oder durch welche Verhaltensweisen hätte ich den Rückfall vermeiden können?

Wie kann ich mich zukünftig verhalten?

  • Ich werde vorsichtig und umsichtig sein und mich für eine bestimmte Zeit nur noch in Begleitung in für mich kritische Situationen begeben.
  • Wenn ich zukünftig Schwierigkeiten habe, den Alkohol stehen zu lassen, rufe ich sofort eine Person meines Vertrauens an. Die Telefonnummer trage ich immer bei mir. Zur Sicherheit werde ich auch noch die Telefonnummer einer zweiten Vertrauensperson bei mir tragen.
  • Ich werde regelmäßig in eine Selbsthilfegruppe gehen (falls dies noch nicht der Fall ist) und dort ungelöste Probleme und Aufgaben besprechen.
  • Ich werde mich um psychotherapeutische Hilfe bemühen, wenn mein Rückfall Folge großer Angst- und Spannungszustände oder eine Folge starker Depressionen war