Die Zeit nach der stationären Therapie (Entwöhnungsbehandlung)

Die Zeit nach der Entwöhnungsbehandlung (stationäre Therapie). 

Die Auswirkungen und Folgen der oft langwierigen Suchterkrankunge lassen sich durch eine ambulante und/oder stationäre Entwöhnungsbehandlung allein nicht beheben. Unmittelbar nach der Entlassung aus dem schützenden Umfeld der behandelnden Institution, sehen sich Betroffene mit vielschichtigen familiären, beruflichen und sozialen Problemen konfrontiert. Die Integration der Betroffenen in den gesellschaftlichen Alltag nach einer Zeit therapiebedingter Isolation ist gefährdet, wenn nicht unmittelbar ergänzende Unterstützungsmaßnahmen bzw. Integrationshilfen folgen.

Dazu ist i. d. R. eine Nachbetreuung unabdingbar. Deren Aufgabe ist es, Behandlungserfolge langfristig zu stabilisieren, Rückfälle zu vermeiden sowie den Prozess der sozialen und beruflichen Integration zu unterstützen und die Bearbeitung von früher bestehenden Problemen, die jetzt in der realen alltäglichen Situation deutlich werden, zu bearbeiten (Ziegler 1982, Bühringer 1982 zit. in N.N. 2001) .

Nach der Therapie gilt es demnach, die einmal getroffene Abstinenzentscheidung umzusetzen und das in der Entwöhnungsbehandlung Erlernte in den Bereichen Familie, Arbeit und Freizeit anzuwenden. Dabei sind die zuvor angesprochene Nachsorge und der regelmäßige Besuch einer Selbsthilfegruppe von großer Bedeutung für den Erfolg der Bemühungen und die Vermeidung von Rückfällen.

In dieser Phase kann die Berücksichtigung der nachfolgend aufgeführten Hinweise hilfreich sein, um die auftretenden Versuchungen und Probleme besser bewältigen zu können:

  • Freuen Sie sich über jeden alkoholfreien Tag! Jeder abstinente Tag ist ein Stück Weg zu einer dauerhaften Abstinenz.
  • Schaffen Sie sich alkoholfreie Zonen! Dies gilt in erster Linie für die Wohnung und im weiteren Sinne auch für den Arbeitsplatz. Durch alkoholfreie Zonen können Kurzschlussreaktionen und Rückfälle in alte Verhaltensweisen besser vermieden werden, denn das Suchtmittel Alkohol ist nicht direkt verfügbar, sondern es muss erst beschafft werden. Diese für die Beschaffung von Alkohol erforderliche Zeit reicht oft aus, um zu einer veränderten Sichtweise und emotionalen Befindlichkeit zu gelangen.
  • Meiden Sie insbesondere in der ersten Zeit Gaststätten sowie andere Orte und Gelegenheiten bei denen Sie bevorzugt Alkohol konsumiert haben. Über Jahre erlernte und verfestigte Verhaltensweisen sind nur schwer zu verändern. Überlegen sie sich genau, wie sie sich in alkoholbesetzten Situationen verhalten. Über Sie dieses Verhalten. Lassen Sie im Zweifelsfall ruhig einmal eine Feier aus, es kommen im Leben noch genügend Gelegenheiten.
  • Formulieren Sie überschaubare Ziele! Bekanntlich ist es unmöglich, alle Probleme gleichzeitig zu lösen. Wichtig ist es überhaupt damit zu beginnen und dann Schritt für Schritt vorzugehen.
  • Suchen und eröffnen Sie sich neue Betätigungsfelder. Viele Rückfälle sind die Folge von Alleinsein und Einsamkeit. Gehen Sie wieder alten Hobbys nach, suchen Sie neue Interessen, engagieren Sie sich ehrenamtlich oder gehen Sie einfach nur spazieren. Je weniger Möglichkeiten Sie haben, alten Zeiten „nachzutrauern“, umso besser ist dies für Sie.
  • Suchen Sie zuverlässige, unabhängige Gesprächspartner, auch und gerade für Notfälle. Rückfälle kündigen sich sehr häufig an. Dann ist es vielfach lebenswichtig, einen oder noch besser mehrere Ansprechpartner zu haben, die erreichbar und über die Suchtgeschichte informiert sind. Diesen Ansprechpartner sollten Sie anrufen, wenn Sie den Konsum von Alkohol in Erwägung ziehen und die ursächlichen Probleme ansprechen. Gespräche führen zu einer psychischen Entlastung und zu neuen Sichtweisen.
  • Stehen Sie zu Ihrer Krankheit! Sie sollten Ihren Arbeitgeber und die behandelnden Ärzte informieren. Natürlich ist es Ihrer Entscheidung überlassen, ob Sie Ihren näheren Bekannten- und Verwandtenkreis informieren. Häufig ist aber sehr sinnvoll, auch das nähere Umfeld über die Hintergründe des „neuen Umgangs mit Alkohol“ zu informieren. Durch Klarheit vermeiden Sie Missverständnisse und schließen die „Tür zu einem Rückfall“ noch fester.

Erfahrungsgemäß ist es schwer, alte Verhaltensweisen dauerhaft abzulegen. Ich wünsche Ihnen viel Mut und Ausdauer auf Ihrem Weg zu einem unabhängigen Leben.