Was können Selbsthilfegruppen leisten?

Was können Selbsthilfegruppen leisten?

Selbsthilfegruppen geben Hilfe zur Selbsthilfe. Ziel der Selbsthilfegruppen ist es, durch Vermittlung von Erfahrungen, Verhalten und durch die Aktivitäten der Gruppenmitglieder sich selbst und anderen ein suchtmittelfreies Leben zu ermöglichen. Die Mitarbeit in den Gruppen ist grundsätzlich völlig freiwillig.

Selbsthilfegruppen
schaffen suchtmittelfreie Zonen,
helfen, Verständnis zu finden, da die anderen Gruppenmitglieder ähnliche Erfahrungen gemacht haben,
durchbrechen Isolation und Heimlichkeit,
stärken das Selbstwertgefühl durch regelmäßiges „Arbeiten an sich selbst“,
verbessern die Selbstbestimmung, da in der Gruppe jeder für sich selbst verantwortlich ist,
geben eine Reflexionsmöglichkeit für das eigene Handeln und Empfinden,
geben Anregungen zur Sinnfindung und Selbsterfahrung,
helfen, neues Verhalten zu erlernen,
dienen der Wahrheitsfindung, da Ausflüchte und Lügen in der Gegenwart von Betroffenen schwer vorzutragen sind,
helfen bei der Identifikation gegen Stigmatisierung und Abwertung aus der Gesellschaft,
helfen bei Rückfallprophylaxe durch die Gruppe bzw. in der Gruppe.

Die Teilnehmer an Selbsthilfegruppen sind nur Betroffene bzw. Angehörige von Betroffenen. Das Problem „Alkohol“ ist allen bekannt und verständlich. Durch die persönlichen Erfahrungen, die die Gruppenmitglieder mit ihrer Krankheit gemacht haben, können sie Hilfesuchenden Hinweise und Ratschläge geben. Dies betrifft nicht nur die Suchterkrankung, sondern auch die Auswirkungen auf das Umfeld und die Schwierigkeiten, die sich in der Gestaltung des täglichen Lebens ergeben, wie z. B. die Auseinandersetzung mit Wohnungsverwaltungen, Sozialämtern, Arbeitsämtern, Wohngeldstellen, Krankenkassen und Rentenversicherungsträgern. Im Rahmen der oft langjährigen Gruppenarbeit entdecken die Gruppenmitglieder immer neue Möglichkeiten der Hilfe.

Die Gruppentreffen finden i. d. R. einmal wöchentlich für eine Zeit von etwa 1,5 bis 2,0 Stunden statt. Die Treffen beginnen häufig mit dem sogenannten „Blitzlicht„. Im Rahmen des „Blitzlichtes“ hat jeder Teilnehmer die Möglichkeit, kurz darzustellen, wie es ihm geht und welche Probleme sich seit dem vergangenen Treffen für ihn ergeben haben. Bei Bedarf können ein oder mehrere Problem(e) nach dem „Blitzlicht“ in der Gruppe besprochen werden. Dann kann jeder frei über sein(e) Problem(e) reden und andere Gruppenmitglieder können Hinweise und Ratschläge geben. Oft bewirkt die Schilderung des Problems schon eine ganz erhebliche psychische Entlastung bei den Betroffenen.

Die Organisation der Gruppenarbeit und der Ablauf der Gruppenstunde hängen natürlich von der jeweiligen Gruppe ab. Dies betrifft auch das Angebot von Aktivitäten außerhalb der Gruppentreffen. Da es in fast jeder größeren Stadt mehrere Gruppen gibt, sollten Hilfesuchende sich zu Beginn in verschiedenen Gruppen informieren und dann die Gruppe wählen, in der sie sich aufgehoben fühlen. Neben den Gruppen der bekannten Selbsthilfeorganisationen wie z. B. Kreuzbund, Blaues Kreuz oder Anonyme Alkoholiker gibt es oft auch unabhängige Gruppen, die teilweise auch für Angehörige offen sind. Häufig gibt es aber auch eigene Gruppen für Angehörige wie z. B. bei den Anonymen Alkoholikern.

Natürlich sind der Arbeit in Selbsthilfegruppen Grenzen gesetzt. Die Gruppenmitglieder sind Betroffene und verfügen zu einem Teil über beachtliche Kenntnisse und Erfahrungen. Sie sind aber keine ausgebildeten Therapeuten. Die Gruppe kann zwar zu bestimmten Themen Therapeuten einladen und mit ihnen diskutieren, aber sie kann keine Suchttherapie anbieten. Dies können und dürfen nur entsprechend ausgebildete Ärzte, Psychologische PsychotherapeutInnen und HeilpraktikerInnen.

Niemand, auch keine Selbsthilfegruppe, will Suchtkranke und ihre Angehörigen zu ihrem Glück zwingen. Daher kann und soll niemand kontrolliert oder bevormundet werden. Der Erfolg der Gruppenarbeit hängt maßgeblich von der Mitarbeit der Mitglieder ab. Dazu gehört auch Ehrlichkeit und die Schweigepflicht nach außen.

Die regelmäßige Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe über einen Zeitraum von mehreren Jahren kann die Abstinenz von Abhängigen festigen. Rund 30 % der GruppenteilnehmerInnen in den Abstinenz- und Selbsthilfeverbänden werden ohne fachliche Behandlung abstinent! (N.N., 2001)