Folgen der Sucht (Alkoholentzug, Alkoholentzugssyndrome)

Durch die Alkoholsucht ergeben sich physische, psychische und psychosoziale Folgen. Im körperlichen Bereich (physische Folgen der Sucht) sind z. B. die Schädigungen der Leber zu nennen. Die Leber ist die Entgiftungszentrale des Körpers. Dort wird ein großer Teil des konsumierten Alkohols umgesetzt. Wird das Organ überbelastet, kommt es zunächst zu Fetteinlagerungen (Fettleber), die die Leber vergrößern. Im weiteren Verlauf kommt es zu einem massenhaften Absterben von Leberzellen (Leberzirrhose) und die Leber wird klein und hart. Die Leber wird bereits überlastet, wenn täglich durchschnittlich mehr als 50 g Alkohol (3 Gläser Bier) bei Männern oder 20 g (1,5 Gläser Bier) bei Frauen konsumiert werden.

Aber auch andere Organe werden durch Alkohol angegriffen. Bei Alkoholabhängigen sind zum Beispiel häufig Entzündungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis), Magengeschwüre, Herzmuskelleiden und auch bestimmte Krebsarten zu beobachten.

Die psychischen und psychosozialen Folgen des Alkoholismus sind nicht weniger dramatisch als die körperlichen Folgen. Im Verlauf der Krankheit kommt es häufig zu einer Wesensänderung, d. h. viele Alkoholiker werden u. a. egoistisch, stimmungslabil und reizbar. Im weiteren Verlauf kann es zu einem Rückgang der geistigen Fähigkeiten bis hin zu einer Alkoholdemenz kommen. Die Sucht zerstört im Laufe der Zeit häufig die Partnerbeziehung und die Familie. Die Betroffenen bekommen Probleme im Berufsleben und verlieren ihren Arbeitsplatz. Freunde ziehen sich zurück. Es kommt zu Führerscheinverlusten und letztendlich zu Konflikten mit dem Gesetz.

Da der Alkohol auch direkt das Zentralnervensystem (Gehirn) wirkt, kann es neben der o. a. Alkoholdemenz bereits im Vorfeld zu unterschiedlichen anderen Psychosyndromen kommen, die in akute Intoxikationen, Entzugssyndrome und (exogene) Psychosen unterteilt werden können.

Die Folgen der Alkoholsucht können demnach unterteilt werden in:

  • Folgen aus neuropsychiatrischer Sicht,
  • Folgen aus internistischer Sicht und
  • psychosoziale Folgen.

Tabelle 1 gibt eine Übersicht über die Folgen des Alkoholmissbrauchs aus neuropsychiatrischer Sicht

Tabelle 1: Folgen des Alkoholismus aus neuropsychiatrischer Sicht (nach DHS, 1995, verändert):

1. Folgen auf neuropsychiatrischem Gebiet Intoxikationen und Entzugssyndrome
1.1 Akute Alkoholintoxikationen
(einfacher Rausch)
Bei einer Blutalkoholkonzentration (BAK) von etwa 3 Promille und mehr zeigen die meisten Menschen das Bild einer schweren Alkoholintoxikation (einfacher Rausch). Bei einer BAK von über 5 Promille tritt i. d. R. der Tod ein. Der einfache Rausch ist in verschiedene Schweregrade zu unterteilen.

Kennzeichen sind vor allem Verhaltensstörungen wie z. B. Enthemmung, neurologische Störungen wie z. B. Koordinations- und Artikulationsstörungen und Störungen der Bewusstseinslage.

1.2 Komplizierter Rausch Ein komplizierter Rausch kann bereits nach dem Konsum von geringen Alkoholmengen auftreten.

Zu den Leitsymptomen gehören: Verhaltensstörungen (vor allem Aggressivität), Störungen der Bewusstseinslage, Orientierungsstörungen, Störungen der Motorik, Veränderungen der Stimmungslage (Gereiztheit, Angst) und amnestische Lücken („Filmriss“).

1.3 Alkohol-Entzugssyndrom Als Entzugssyndrom wird ein typischer Symptomenkomplex bezeichnet, der bei Unterbrechung oder abrupter Verhinderung der Zufuhr von Alkohol auftreten kann. Das Entzugssyndrom zeigt sich in verschiedenen Schweregraden und betrifft mehrere Organsysteme.

Leitsymptome sind Magen-Darm-Störungen, Kreislauf-Störungen (Tachykardie), vegetative Störungen (Schlafstörungen, Schwitzen), neurologische Störungen (Tremor, Artikulationsstörungen, Ataxie, Parästhesien, epileptische Anfälle) und psychische Störungen (innere Unruhe, ängstliche und depressive Verstimmungen, Störungen der Bewusstseinslage, manchmal Halluzinationen).

1.4 Delirium tremens Das Delirium tremens ist meist die höchste Stufe des Entzugssyndroms, kann aber auch bei bestehendem hohen Blutalkoholspiegel auftreten. Das Alkoholdelir ist lebensbedrohlich und bedarf einer Behandlung.

Leitsymptome sind vor allem Bewusstseinstrübungen, Desorientiertheit, psychomotorische Unruhe (Nesteln), Störungen der Stimmungslage (Angst, seltener Euphorie), Tremor der Hände, Halluzinationen (meist optische Halluzinationen wie z. B. Insekten oder kleinere bewegte Gegenstände), vegetative Störungen (Schweißneigung, Tachykardie), epileptische Anfälle.

 

Zeichen akuter Entzugssyndrome sind delirante Zustandsbilder, produktiv-psychotische Symptome, epileptische Krampfanfälle und u. U. Bewusstlosigkeit und Koma. Entzugssyndrome sind gekennzeichnet durch Zittern, Schwitzen, Unruhe, Angst, Depressionen und Krampfanfälle. Im Rahmen des Entzugs können auch Alkoholhalluzinosen und das Delirium tremens (Entzugsdelir) auftreten. Typische Entzugssyndrome, ihr zeitlicher Auftritt nach Beendigung des Trinkens und die charakteristischen Symptome sind nachfolgendem Bild 1 zu entnehmen.

Alkoholentzugssyndrome