Was ist Sucht und wie viel Suchtkranke gibt es in Deutschland?

Allgemeines zur Alkoholproblematik – Der Gebrauch von Drogen im weitesten Sinne gehört zu unserem Alltag. Dazu gehören Genussmittel wie z. B. Kaffee, Tee oder Tabak. Im Gegensatz zum Alkohol, einigen Medikamenten und den sogenannten illegalen Drogen wie Heroin, Kokain u. a. haben diese Genussmittel jedoch keine persönlichkeitsverändernden Wirkungen. Die Bedeutung dieser Aussage wird klar, wenn Sie sich einen Menschen vorstellen, der einen halben Liter Kaffee getrunken hat und einen Menschen, der einen halben Liter Schnaps getrunken hat. Werden durch den Konsum von Alkohol deutlich sichtbare Veränderungen der psychischen und/oder physischen Reaktionen bewirkt, spricht man von Missbrauch. Wird aus dem Missbrauch ein zwanghaftes Bedürfnis und das Angewiesensein auf bestimmte Substanzen, spricht man von Sucht. Der Begriff „Sucht“ wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) durch den Begriff der „Abhängigkeit“ ersetzt. Es ist zu unterscheiden zwischen psychischer Abhängigkeit, d. h. das übermächtige und unwiderstehliche Verlangen, eine bestimmte Substanz wieder einzunehmen, und körperlicher Abhängigkeit, die durch Dosissteigerung und das Auftreten von Entzugserscheinungen gekennzeichnet ist. Der Übergang von der psychischen zur physischen Abhängigkeit ist fließend. Wird die regelmäßige Alkoholzufuhr plötzlich unterbrochen (z. B. durch einen Krankenhausaufenthalt), kommt es zu typischen Entzugssymptomen wie Unruhe, Tremor, Übelkeit und Erbrechen. In schlimmen Fällen kann es auch zu schweren Krampfanfällen und schließlich zum Delirium tremens (s. Folgen der Sucht) kommen, das sich neben Tremor und Übelkeit in Halluzinationen, Muskelzuckungen und Krämpfen bis hin zum Koma äußern kann. Suchtmittelmissbrauch und Zahl der Suchtkranken in Deutschland sind sehr hoch. Nach Schätzungen der Deutschen Hauptstelle gegen Suchtgefahren (DHS) sind etwa 5 % der Bundesbürger suchtkrank. Davon ist die überwiegende Zahl alkoholabhängig (1,6 Mio.) und medikamentenabhängig (1,5 Mio.) und etwa 0,3 Mio. sind abhängig von illegalen Drogen, d. h. der überwiegende Teil benutzt die legalen Suchtmittel Alkohol und Medikamente. Weitere 2,7 Millionen Menschen trinken Alkohol missbräuchlich. Die Dunkelziffer ist vermutlich hoch. Tabelle 1: Entwicklung des Getränkeverbrauchs in Deutschland (Quelle: Fachverband Sucht)

Entwicklung des Alkoholkonsums in Deutschland
Alkoholische Getränke
1950
1960 
1970 
1980 
1990
1995
2000
2003
Bier
36,5
95,3
141,1
145,9
142,7
137,7
125,5
121,5
Wein
4,7
10,8
15,3
21,4
21,2
17,4
19,7
20,3
Sekt
1,9
4,4
5,1
4,8
4,2
3,9
Spirituosen
2,5
4,9
6,8
8,0
6,2
6,5
5,8
5,9
insgesamt
42,8
111,0
165,1
179,7
175,2
166,4
155,2
151,6
reiner Alkohol
3,1
7,3
10,8
12,5
11,8
11,2
10,5
10,2

Tabelle 1 zeigt die Entwicklung des Getränkeverbrauchs in Deutschland nach Getränkesorten in Liter reinen Alkohol pro Person von 1950 bis 2003. Insgesamt ist beim Alkoholkonsum seit dem Jahre 1980 ein leicht rückläufiger Trend zu erkennen. Dabei ist der Verbrauch alkoholischer Getränke im internationalen Vergleich weiter hoch und scheint sich auf dem hohen Niveau von ca. 10 Liter Alkohol pro Bundesbürger und Jahr einzupendeln (1960: 7,3 Liter). Alkoholabhängige sind die größte Patientengruppe in den psychiatrischen Bezirks- und Landeskrankenhäusern. Auch in Allgemeinkrankenhäusern sind ca. 15 % der Patienten alkoholkrank. Durch die Folgen des Alkoholismus wie Produktionsausfall, Frühberentung und die Behandlungskosten entsteht ein jährlicher volkswirtschaftlicher Schaden in Höhe von mehreren Milliarden Euro. Etwa die Hälfte aller Straftaten wird unter Alkoholeinfluss verübt und jedes Jahr werden ca. 280 000 Führerscheine wegen der Überschreitung der zulässigen Promillegrenze eingezogen. Nach neueren Kostenschätzungen beträgt der volkswirtschaftliche Verlust durch den Alkoholkonsum in Deutschland jährlich mindestens 20 Milliarden Euro, die sich im wesentlichen aus den Kosten für Krankenhausbehandlungen, Frühberentungen, Arbeitsunfähigkeiten sowie Arbeits- und Wegeunfälle zusammensetzen. Die Aufwendungen für Rehabilitationsmaßnahmen für die Behandlung von Suchtkranken insgesamt betragen demgegenüber nur ca. 500 Millionen Euro jährlich (N.N., 2006). Weitere Ausführungen zur Statistik finden Sie hier.